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Was ist Trauer?

Trauer ist weder eine Erkrankung, noch eine psychische Störung. Trauer ist eine ganz normale Reaktion des Menschen auf eine Verlusterfahrung. Das kann der Verlust eines geliebten Menschen sein, der Verlust eines Haustieres, aber genauso gut auch der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Verlust einer anderen Sache, zu der eine enge Bindung besteht.

Da jeder Mensch einzigartig ist, können sich die Trauerreaktionen auch von Mensch zu Mensch und von Fall zu Fall zum Teil stark voneinander unterscheiden. Hinzu kommen auch Faktoren in wie weit der Trauernde die Trauer überhaupt zulassen und zeigen möchte. Für einen Außenstehenden ist eine Beurteilung daher sehr schwer.

Trauerprozess

Trotz der Tatsache, dass jeder Mensch anders trauert, kann man ein paar Erscheinungen – den Begriff „Symptome“ wollen wir ganz bewusst nicht verwenden – aufzählen, die häufig bei Trauernden auftreten:

  • Körperhaltung und Gesichtsausdruck sind verändert
  • alles Tun des Trauernden wirkt reduziert, gehemmt, gebremst
  • Appetitlosigkeit
  • kein Interesse an Hobbies und bislang wichtigen Freizeitaktivitäten
  • Probleme beim Ein- und Durchschlafen
  • Müdigkeit
  • Brustbeklemmung, Kurzatmigkeit, trockener Mund
  • allgemeines Schwächegefühl
  • Kopf- und Rückenschmerzen
  • sie fühlen sich hilflos, einsam, verlassen
  • sie können Erleichterung verspüren, wenn der Verstorbene lange leiden musste
  • Aggression und Schuldgefühle
  • rasche Stimmungsänderungen
  • Konzentrationsstörungen
  • der Trauernde glaubt den Verstorbenen in vielen Dingen wahrzunehmen
  • Träume vom Verstorbenen
  • Halluzinationen

(Quelle: Schnelzer Thomas, Lehrbuch Trauerpsychologie, Düsseldorf, Fachverlag des deutschen Bestattungsgewerbes 2008, S. 15 ff.)

Berühmte Psychologen haben eine Vielzahl von Trauernden begleitet und beobachtet und haben mit den Ergebnissen versucht, den Trauerprozess zu strukturieren und in Phasen einzuteilen. An dieser Stelle wollen wir Ihnen das Phasen Modell von Verena Kast vorstellen, ergänzt durch Möglichkeiten, wie man als Angehöriger oder Außenstehender dem Trauernden hilfreich zur Seite stehen kann.

Trauerprozess
Lokale Selbsthilfegruppen
Trauerbegleitung & weitere Selbsthilfegruppen
Bundesverband deutscher Bestatter – Hilfe im Trauerfall
www.bestatter.de
Bundesverband Trauerbegleitung e.V.
www.bv-trauerbegleitung.de
TABEA e.V.
www.tabea-ev.de
Die vier Phasen der Trauer

1. Das Nicht-Wahrhaben-Wollen

Der Tod eines Menschen schockiert immer, auch wenn er nicht unerwartet kommt. Auf einmal ist alles anders. Verzweiflung, Hilf- und Ratlosigkeit herrschen vor. Das Geschehene wird noch nicht erfasst, man leugnet es ab, man kann und will es nicht glauben.  Viele Menschen sind wie erstarrt, verstört und völlig apathisch. Andere geraten außer Kontrolle, brechen zusammen. Der Tod hat etwas Überwältigendes, der Schock sitzt tief.
Körperliche Reaktionen: rascher Pulsschlag, Schwitzen, Übelkeit, Erbrechen, motorische Unruhe. Diese Phase kann wenige Stunden bis – vor allem bei plötzlich eingetretenen Todesfällen – mehrere Wochen dauern.

Mögliche Hilfen in dieser Phase

  • Alltägliche Besorgungen übernehmen
  • Trauernde dort unterstützen, wo sie überfordert sind
  • Hilfestellung bei Regelungen, die im Zusammenhang mit dem Todesfall stehen
  • Trauernde nicht allein lassen
  • Trauernde in ihren Reaktionen nicht bevormunden
  • Da-Sein, ohne viel fragen
  • Alle Gefühle der Trauernden zulassen: alles darf sein!
  • Die scheinbare Empfindungslosigkeit, das Fehlen der Tränen, die Starre aushalten
  • Wärme, Mitgefühl vermitteln
  • Die eigenen Gefühle zum Ausdruck bringen, wenn es angebracht und  notwendig erscheint

2. Aufbrechende Emotionen

Gefühle bahnen sich nun ihren Weg. Leid, Schmerz, Wut, Zorn, Freude, Traurigkeit und Angst können an die Oberfläche kommen. Je nach der Persönlichkeitsstruktur des Trauernden herrschen verschieden Gefühle vor. „Warum musste es ausgerechnet mich treffen?“ oder „Womit habe ich das verdient?“ Das sind Fragen, die sehr leicht aufkommen. Man schreit seinen Schmerz heraus, Wut und Zorn entstehen gegen Gott und die Welt. Aber auch gegen den Toten werden Vorwürfe gerichtet: „Wie konntest du mich nur im Stich lassen?“ oder „Was soll nun aus mir werden?“ Diese aggressiven Gefühle können sich aber auch gegen einen selbst richten: „Hätte ich nicht besser aufpassen müssen?“ oder „Hätte ich das Unglück nicht verhindern können?“ Als Folge davon entstehen Schuldgefühle, die den Trauernden quälen. All diese Gefühle, die zu diesem Zeitpunkt über einen hereinbrechen, sollte man keineswegs unterdrücken. Sie helfen dem Trauernden, seinen Schmerz besser zu verarbeiten. Werden sie jedoch unterdrückt, so können diese Gefühle viel zerstören, sie führen dann nicht selten zu Depressionen und Schwermut. Die Dauer dieser Phase lässt sich nur schwer abschätzen, man spricht etwa von ein paar Wochen bis zu mehreren Monaten.

Mögliche Hilfen in dieser Phase

  • Gefühlsausbrüche zulassen, da sie heilsam sein können
  • Ausbrüche von Wut und Zorn gehören ebenso wie depressive Stimmungen und Niedergeschlagenheit zum Vorgang des Trauerns
  • Nicht von ungelösten Problemen, Schuld und Konflikt ablenken
  • Ablenken fördert nur das Verdrängen, was zu einer Verzögerung des Trauerprozesses führen kann
  • Probleme aussprechen lassen
  • Schuldgefühle nicht ausreden, aber auch nicht bekräftigen, sondern schlicht zur Kenntnis nehmen
  • Am Erleben und Erinnern des Trauernden Anteil nehmen
  • Da-Sein, Zuhören
  • Anregungen für alltägliche Hilfen (z.B. Tagebuch schreiben, Malen, Musikhören, Spazieren gehen, Entspannungsübungen, Bäder,…) geben
  • Eigene „Geschichten“ zurückhalten
  • Keine Interpretationen oder wertende Stellungnahmen geben

3. Suchen und Sich-Trennen

Auf jeden Verlust reagieren wir mit Suchen. Was wird eigentlich in der Trauer gesucht? Zum einen der reale Mensch, das gemeinsame Leben, gemeinsame Orte mit Erinnerungswert. Auch in den Gesichtern Unbekannter wird nach den geliebten Gesichtszügen gesucht. Gewohnheiten des Verstorbenen werden übernommen. Gemeinsame Erlebnisse sollen Teile der Beziehung retten und werden gleichsam als „Edelsteine“ gesammelt. Dies erleichtert die Trauer. In inneren Zwiegesprächen wird eine Klärung offener Punkte möglich, kann Rat eingeholt werden.
Durch diese intensive Auseinandersetzung entsteht beim Trauernden oft ein starkes Begegnungsgefühl. Das ist unheimlich schmerzhaft und unendlich schön zugleich! Im Verlaufe dieses intensiven Suchens, Findens und Wieder-Trennens kommt einmal der Augenblick, wo der Trauernde die innere Entscheidung trifft, wieder ja zum Leben und zum Weiterleben zu sagen oder aber in der Trauer zu verharren. Je mehr gefunden wird, was weitergegeben werden kann, umso leichter fällt eine Trennung vom Toten. Dieses Suchen lässt aber auch oft eine tiefe Verzweiflung entstehen, weil die Dunkelheit noch zu mächtig ist. Suizidale Gedanken sind in dieser Phase relativ häufig. Diese Phase kann Wochen, Monate oder Jahre dauern.

Mögliche Hilfen in dieser Phase

  • Alle Erlebnisse der Vergangenheit dürfen ausgesprochen werden – keine Zensur!
  • Akzeptieren, dass immer wieder in den verschiedensten Formen „gesucht“ wird
  • Geduld
  • Zuhören – auch wenn man die Geschichten alle schon kennt
  • Gefühle ernst nehmen, die durch Erinnerungen oder Erzählungen wieder auftauchen
  • Phantasien zulassen, die den Tod des Verstorbenen bezweifeln – ohne selbst mit zu phantasieren
  • Bei suizidalen Äußerungen kontinuierlich begleiten (im Notfall reagieren)
  • Zeit lassen
  • Kein Drängen auf Akzeptieren des Verlustes
  • Unterstützung bei Ansätzen der Neuorientierung

4. Neuer Selbst- und Weltbezug

Nachdem man seinen Schmerz herausschreien durfte, anklagen und Vorwürfe machen durfte, kehrt allmählich innere Ruhe und Frieden in die Seele zurück. Der Tote hat dort seinen Platz gefunden. Langsam erkennt man, dass das Leben weitergeht und dass man dafür verantwortlich ist. Es kommt die Zeit, in der man wieder neue Pläne schmieden kann. Der Trauerprozess hat Spuren hinterlassen, die Einstellung des Trauernden zum Leben hat sich meist völlig verändert. Der Verstorbene bleibt ein Teil dieses Lebens und lebt weiter in den Erinnerungen und im Gedenken.

Mögliche Hilfen in dieser Phase

  • Dazu beitragen, dass der Trauernde auch den Begleiter loslassen kann
  • Akzeptieren, dass man so nicht mehr gebraucht wird
  • Eigene „Bedürftigkeit“, helfen zu müssen, überprüfen (Helfer-Syndrom!)
  • Veränderungen im Beziehungsnetz des Trauernden begrüßen und unterstützen
  • Neues akzeptieren
  • Sensibel bleiben für Rückfälle
  • Gemeinsame Formen suchen, die Trauerbegleitung behutsam zu beenden oder umzugestalten

(Quelle: Monika Specht-Tomann, Doris Tropper, Zeit des Abschieds, Sterbe- und Trauerbegleitung, Düsseldorf, Patmos 1999 bzw. www.johanniter.de/dienstleistungen/betreuung/trauerbegleitung-von-kindern-und-jugendlichen-lacrima/lacrima-in-mittelfranken/service-wissen/wissen/trauerphasen-nach-verena-kast/) 

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